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Die Geschichte des Dorfes Wollbach bis 1900

 

Vorgeschichte

Auf der Anhöhe südlich des Ortes mit dem Flurnamen "Kalte Staude" (= Keltenstatt) durchquert die ehemalige Staatsstraße 2292 einen vorgeschichtlichen Friedhof mit Grabfunden der Jungsteinzeit (4500 - 1200 v. Chr.) und der Urnenfelderzeit (1200 - 700 v. Chr.). Nicht weit davon kreuzen sich zwei vorgeschichtliche Fernwege. Erste Funde in den 1930er Jahren gingen durch unsachgemäße Behandlung verloren. Erst die Funde, die durch Aufmerksamkeit von Rektor Otto VALENTIN, Amtsgerichtsrat KNABENBAUER, Realschulrektor Josef WABRA und die Sandgrubenbesitzer Robert und Josef HÄRDER seit September 1957 geborgen und wissenschaftlicher Bearbeitung durch das LfD Würzburg zugeführt wurden, machten sichere Erkenntnisse möglich.

Aus einem bis zur Unkenntlichkeit zerstörten Hügelgrab des schnurkeramischen Kulturkreises (1600 - 1200 v. Chr.) stammt ein gut erhaltener Fund: eine Feuersteinklinge, ein Feuersteinabspliss, ein unverzierter Becher und eine gekniffene Streitaxt. Mit der Streitaxt als Nahkampfwaffe hatten aus dem Osten kommende Hirtenkrieger wohl die einheimische Bevölkerung der Glockenbecherkultur unterworfen und waren danach sesshaft geworden.

Reichlich belegt sind Keramikfunde aus dem 15 Gräber umfassenden Friedhof mit urnenfelderzeitlichen Brandgräbern (11 Jh. v. Chr.), die eine große Zahl gut gearbeiteter Gefäße, allerdings nur wenige Bronzen enthielten. Die Träger dieser Kultur sind zweifellos den Indogermanen (Illyrern oder Venetern) zuzurechnen.

Aus der Zeit von 1200 bis 800 v. Chr. stammt auch der Grabfund mit Körperbestattung (Steinkiste 1,90 m x l ,20 m x 0,90 m). Das weibliche Skelett befand sich in Rückenlage mit dem Kopf nach Süden. Am linken Fuß trug die Tote eine zierliche Bronzespange. Grabbeigaben waren eine Hirschhornaxt und drei Vasen. Offenbar hat die einheimische Restbevölkerung - zierlich gebaute, feingliedrige, schmalgesichtige und langschädelige Menschen - auch in der Urnenfelderzeit weiterhin an der Sitte der Körperbestattung trotz Überlagerung durch die Fremdsitte der Brandbestattung festgehalten.

Bei der Bergung der Körperbestattung stieß man im Bereich des urnenfelderzeitlichen Friedhofes auf Resten einer jungsteinzeitlichen Siedlungsstelle (Keramikreste, Reibmühle) und fand sogar Hinweise (Absplisse von Hornstein, darunter eine schmale Klinge mit feiner Perlretusche) auf eine mittelsteinzeitliche Besiedlung (Jägerkultur ca. 5000 - 4000 v. Chr.).

Etwa 300 m von dieser Siedlung entfernt fand sich eine Abfallgrube aus der Früh-Latene-Zeit (ca. 430 - 340 v. Chr.) mit Resten von über 30 verschiedenen Haushaltsgefäßen.

Die erwähnten Funde bezeugen demnach eine Siedlungskontinuität von der Jungstein­zeit bis in die letzten vorchristlichen Jahrhunderte (Keltenzeit).

 

Neue Ortsgründung

Die Gründungszeit des l,5 km nördlich der vorgeschichtlichen Siedlungsstätte gelegenen Dorfes "Wolpach" (Erstnennung 1220) ist urkundlich nicht bezeugt. Der Ortsname weist aber auf ein adeliges Mitglied der WOLF-Sippe hin, die mit anderen fränkischen Adelssippen bei der Besiedlung der Bachtäler im Umland während des 7. Jahrhunderts n. Chr. maßgeblich beteiligt waren (vgl. auch Bretebach, Richeresbach, Wichtereswinkel u. a.).

Nach dem Ende des thüringischen Herzogtums um 718 scheint der fränkische Hausmeier Karl MARTELL beim Ausbau der Königsgutbezirke Wolpach dem Fiskalbezirk Salz stärker zugeordnet zu haben. Damals wurden fränkische Königsleute ("freie Franken") -- wohl zum Schutz des Fernweges Salz - Brend - Wechterswinkel - Thüringen und zur Rodung -- in Wolpach um den "Anger" mit eigenen Höfen und zugehöriger Hufe angesiedelt. Diese fränkischen Wehrbauern saßen zu Erbeigenrecht auf ihren Höfen. Der bis heute erhaltene Flurname "ober den (Ge)höft(en)" weist noch auf den ältesten Ortskern hin. Dem König zahlten diese Wehrbauern einen Zins und der Kirche von Brend, der sie zugehörten, den Kirchenzehnten. Die Felder, die bis ins 19. Jahrhundert der Kirche von Brend/Bad Neustadt zehntpflichtig waren, gehörten also in die Altmark und waren bäuerliches Eigengut mit Obereigentum des Königs aus der Zeit vor 1000.

Nach dem Übergang des Königsgutsbezirks Salz aus königlicher Hand in den Besitz des Bischofs von Würzburg im Jahre 1000 setzte mit der Erschließung des Salzforstgebietes auch in Wollbach bis etwa 1200 eine großangelegte Neurodung ein. Zahlreiche Flurnamen weisen noch auf den ehemaligen Waldbestand (Lärchenrain, Birkengraben, Buch u. a.) hin.

Die Leitung dieser Binnenrodung oblag in Wollbach offenbar den Ministerialen von Brend oder einer ihr nahe verwandten würzburgischen Ministerialenfamilie.

Einen Hinweis darauf gibt 1453 noch das Eigentumsrecht der Herren von Brend an einem Drittel des Rodungszehnts in der Markung Wollbach; die übrigen zwei Drittel des Rodungszehnts in Wollbach gehörten dem bischöflichen Grundherrn, der je ein Drittel an die von Brende und die von Eberstein verlieh. 1282,1285 und 1453 gingen diese drei Neubruchzehnt-Drittel nacheinander durch Kauf bzw. Schenkung an das Kloster Wechterswinkel.

Das in Blockgewanne aufgeteilte würzburgische Rodungsland wurde bis ins 13. Jahrhundert von einem neu angelegten würzburgischen Salhof jenseits des Baches (später "Drüberdorf"), dem Fronhofsystem entsprechend, im Sinne der Dreifelderwirtschaft bearbeitet.

Der Schutz des würzburgischen Schweinberges und dessen Teilnutzung (Forsthufe) war einem namentlich nicht genannten würzburgischen Ministerialen aufgetragen, der vom 11. bis 13. Jahrhundert auf dem Turmhügel am See beim Ochsenbühl saß. Er trug als "custos silvae" (= Waldhüter) eine Forst- oder Waldhufe im Schweinberg zu Lehen (im 13. Jahrhundert nachgewiesen). Hierzu gehörten in Wollbach die Waldschmiede (im Ortsteil "Sand"; vgl. auch den Flurnamen "Eisengrube") und die sogenannte "Waltsaß" (heute: Ortsteil "Walze"), wahrscheinlich auch der See in der späteren Flurabteilung "Hausenwiesen".

 

Das Werden der Gemeinde

Das 13. Jahrhundert brachte "für den von Wollbach" wesentliche Veränderungen. 1220 zwang der bischöfliche Landesherr Otto I. von LOBDEBURG (1207 - 1223) seinen Marschall Heinrich von (Burg-)LAUER, der als Vogt die Kirche von Brend wiederholt beeinträchtigt hatte, zum Verzicht auf das Meieramt in Brend und - als Buße - zur Entschädigung dieser Kirche durch die Übereignung eine Eigenhufe in Wolpach (Ersterwähnung des ON). Vermutlich ist auf das zu dieser Hufe gehörige Hofareal am Anger um 1250 die spätromanische Kirche gebaut worden, die den Heiligen Antonius und Bonifatius zu Patronen hatte. Auch die Erhebung zur Pfarrkirche muss um diese Zeit geschehen sein; denn Kirche und Pfarrei wurden vom Bischof von Würzburg damals aus seinem Hofgut in Wollbach ausgestattet. Das Patronatsrecht verblieb dem Inhaber der Mutterpfarrei Brend (Stift St. Peter und Alexander in Aschaffenburg). Von diesem erwarb 1307 Kloster Bildhausen mit der Mutterkirche Brend auch das Patronatsrecht der Pfarrei Wollbach, d. h. das Recht den Pfarrer zu präsentieren und ihm das Pfarrlehen zu verleihen.

 

Kirche und Schule

Über die kirchlichen Verhältnisse des Ortes im Spätmittelalter ist wenig bekannt. Die Bewohner von Wollbach waren der Mitte des 14. Jahrhunderts dem Kloster Bildhausen inkorporierten Kirche von Brend weiterhin sendpflichtig, d. h. hatten dort zu bestimmten Zeiten dem bischöflichen Offizial in allen kirchlichen und religiösen Belangen Rechenschaft zu geben. Nach dem Eindringen der Reformation, die vor allem durch Bildhäuser Mönche auch in der Bildhäuser Patronatspfarrei Wollbach verbreitet wurden, kam der katholische Gottesdienst fast völlig zum Erliegen.

Erst die harte Hand des Fürstbischofs Julius ECHTER zwang in der Gegenreformation (1586 ff) die "Zwölfer", d. h. das gesamte Dorfgericht von Wollbach, den Ort zu verlassen und außer Landes zu gehen, da sie als Protestanten den Gehorsam verweigerten.

In den folgenden Pfarrvisitationen wird das Dorfkirchlein 1587 als zu klein, 1598 als zu arm bezeichnet. Auf ECHTERS Initiative hin wurden 1602 eine neue Kirche und ein neues Beinhaus erbaut. Das Portal der alten Kirche ist in der Kapelle an der Straße nach Heustreu noch erhalten. 1617 wurde der Kirchturm erhöht. Mit dieser größeren Bauaktion am Kirchberg (Abbruch des Pfarrhauses und dessen Neubau außerhalb des Kirchhofes 1608; Neubau der Schule 1609) wurde die bis dahin bestehende mittelalterliche Kirchenburganlage aufgebrochen und geriet in Verfall. Die Zerstörungen des 3O jährigen Krieges trugen weiter dazu bei. Allein 1638/40 wurde Pfarrer Georg MOLITOR in Wollbach dreimal völlig ausgeplündert und das Dorf wurde durch die Schweden ruiniert.

Eine Schule existiert in Wollbach seit 1578. Allerdings war der ersterwähnte Schulmeister und Kirchner "der widerwärtigen Religion", so dass es Streit zwischen der (lutherischen) Gemeinde und der (katholischen) Obrigkeit gab, die ihn abschaffen ließ. Von Anfang an betreute der Schulmeister auch Uhr und Waage und versah die Gemeinde­schreiberei. Erst 1609 wurde an der Stelle des abgebrochenen Pfarrhauses ein Schulhaus erbaut, das mit Schulsaal und Lehrerwohnung bis ins 20. Jahrhundert bestand.

 

Vom 17. ins 20. Jahrhundert

Die Kriegsereignisse von 1631 bis 1648 brachten Raub, Plünderung und Not über das Dorf Wollbach und ließen es in völliger Verarmung zurück. 1625 hatte die Pest bereits 124 Einwohner hinweggerafft; diese wurden auf dem eigens angelegten Pestfriedhof begraben.  Link zu „der Pestfriedhof und die Kapelle an der Leiterich“. Die Zahl der Familien sank zwischen 1623 und 1673 von 82 auf 54. Einem Großfeuer fielen 1683 sechs Anwesen im Oberdorf zum Opfer und auch die wiederholten Einquartierungen und Truppendurchzüge hinderten den Ort, sich schnell zu erholen. Erst 1804 erreichte der Ort mit 86 Familien wieder die Einwohnerzahl von 1623.

Dennoch ging das öffentliche Leben der Gemeinde in geordneten Bahnen vor sich. Die "Herrschaft" im Dorf vertrat wie bisher das Dorfgericht (Schultheiß und "Zwölfer"); vier Dorfmeister (je zwei aus dem Gericht und der Ortsnachbarschaft) verwalteten das Gemeindevermögen und legten vor Amt jährlich Rechnung. Schultheiß und Gerichtspersonen wurden vom Amt "gesetzt", die Gemeindediener - Wirt, Bäcker, Hirte, Dorfknecht - vom Dorfgericht "angenommen". 1593 besaß die Gemeinde Wollbach ein Wirtshaus, ein Backhaus, ein Schäferhaus und 9 3/4 Acker Artfeld. Hinzu kamen später ein Schulhaus (1609), ein Brauhaus (vor 1659) und ein Wachthaus (vor 1756).
 




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